10.01. – 12.01.2020
Nach kurzem Aufenthalt in Noosa ging es dann endlich los: Fraser Island wartete auf uns! Um 6:20 Uhr morgens wurden wir von einem kleinen Tourvan abgeholt, und als wäre diese unmenschliche Zeit nicht schon genug, mussten wir uns dann am Treffpunkt ein dreißigminütiges Video rund zu Fraser Island anschauen, was zu beachten war sowie Do’s und Dont’s. Vernünftig war es ja, jedoch war ich von der vorigen Nacht so übermüdet, dass ich da eher schlecht als recht zugehört habe. Nachdem sich unser Tourguide, Troy, vorgestellt hatte, machten wir uns auf ein Neues abfahrbereit und hüpften in unsere Weggefährten für die nächsten drei Tage: Vier 4-Wheel-Drives, kurz 4WDs, mit welchen wir uns auf den Weg zum Abholpunkt der Fähre machten, welche uns nach Fraser Island übersetzen sollte.
Bereits während der Fährenfahrt konnten wir in dem klaren, blauen Wasser einige große Quallen und auch Krebse entdecken. Drüben angekommen hieß es nun drei Tage eher abseits der Zivilisation, ohne Internetverbindung und in Safarizelten neben Dingos und einigen anderen giftigen Nachbarn: Unter diesen die giftigste Spinne der Welt sowie die zweit- und drittgiftigste Schlange der Welt: Als ich dies erfuhr, war die Fähre leider bereits auf dem Weg zum Mainland 😀 Wir machten uns in unseren Fahrzeugen nun auf den Weg zu unserem Zuhause für die nächsten drei Tage, und ich stellte erstmal fest, dass es auf ganz Fraser Island keine einzige befestigte Straße gab, sondern der sehr breite Strandabschnitt als Straße fungierte.
Und nicht nur das, er diente ebenso kleinen Flugzeugen als Start- und Landebahn, welche Scenic-Flights über die ganze Insel hinweg anboten. Trotz meines internationalen Führerscheins war es mir aufgrund meines Alters leider nicht erlaubt, mich selber hinter das Lenkrad zu schwingen und durch den feinen Sand zu brettern, ein weiteres, etwas blödes australisches Gesetz, man musste nämlich 21 sein. Unsere Truppe saß aber im ersten Auto der kleinen Karawane bei unserem Tourguide Troy, mit welchem es wirklich Spaß gemacht hat und der auch ein superlustiger Typ war, immerhin eine kleine Entschädigung. Wir kamen am 10.01 morgens auf der Insel an und das Wetter war bereits traumhaft. Auf dem Weg zum Camp ließen wir uns während der Fahrt bereits den frischen, salzigen Wind um die Nasen wehen, und genossen den überwältigenden Anblick der sich bot: Knallblauer wolkenloser Himmel, links der Busch und vor uns endloser, feiner Sandstrand. Rechts brachen die kristallblauen Wellen am Meeresufer und hinterließen einen schäumenden, türkisen Übergang zum Strand hin, es war einfach nur paradiesisch.

Ich stellte mir schon vor, wie ich mich in die Fluten stürzen würde, als Troy uns aufklärte, welches Schicksal uns wahrscheinlich erwarten würde, würden wir an diesem Strandabschnitt schwimmen gehen: Entweder würden wir mit den äußerst schmerzhaften Blue Jelly Box Quallen in Kontakt kommen, oder dem ein oder anderen Hai begegnen. Er erzählte, dass hier statistisch gesehen auf einen Menschen ganze HUNDERT Haie kamen, und da wir alle keine Lust hatten, als Haifutter zu enden und Troy uns noch genügend andere Schwimmmöglichkeiten versprach, ließen wir von unserer Idee ab – die Vernunft hat bei uns also auch mal die Oberhand gewonnen.

Im Camp angekommen, bekamen wir erstmal eine kleine Einweisung und dann gab es auch schon das erste Lunch, welches sehr gut schmeckte. Anschließend bezogen wir je zu zweit unsere kleinen, aber feinen Safarizelte. Das Camp war umgeben von elektrischen Zäunen, um die Dingos daran zu hindern, ungebeten vorbeizuschauen. Die Elektrizität ging immer abends an, und ich sah mich schon nachts auf Toilette gehen und durch eine unachtsame Bewegung im Halbschlaf einen kleinen Schock verpasst zu bekommen. Nachdem wir uns ein wenig eingelebt hatten, fuhren wir mit den 4WDs etwa fünfzehn Minuten zum Anfang eines 2,5km langen Wanderweges, welcher uns zu unserem ersten Spot hier auf der Insel bringen sollte: Lake Wabby. Bei bestimmt 36 Grad Celsius machten wir uns dann alle auf den Weg zu diesem Süßwassersee. Der Sandweg war meist nicht nur ziemlich durch die Temperaturen aufgeheizt, sondern auch ein richtiges auf und ab, was durch den fehlenden Halt im feinen Sand eine noch größere Challenge wurde.

Wie man mich bereits kennt, trat ich diesen Weg (natürlich) in meinen Flipflops an, welche mich bereits mehr oder weniger unbeschadet bis hin zu den Figure 8 Pools und zurück gebracht hatten. Zusammengefasst war dieser Weg eine etwas schweißtreibendere Angelegenheit, und ich war aufgrund der Schlangenwarnung am Anfang sehr darauf bedacht, der Wildnis um mir herum keine zu große Aufmerksamkeit zu schenken, um ja nichts unerwünschtes im Gebüsch ausfindig zu machen. Ansonsten war dieser Weg trotz der körperlichen Anstrengung, die er mit sich brachte, sehr schön. Am Ende ging es eine Anhöhe herauf, von der aus wir einen weiten Ausblick über die Sandlandschaft hatten, und auch erkannten, dass wir die gesamte Zeit eine langgestreckte, große Düne heraufgewandert sind.
Nun ging es links die Düne herunter, und auf dem Weg tat sich uns nach und nach der Blick auf den Lake Wabby auf, welcher wie eine richtige Oase in dieser trockenen, sandigen Umgebung aussah. Sein Wasser schimmerte in einem satten, grünlichen Smaragdton, auf der Oberfläche brachen die Sonnenstrahlen und warfen glitzernde Sprinkel, welche dem Ort einen kleinen magischen Touch verliehen.
Der Lake war von der einen Seite frei vom Sand aus zugänglich, während die andere Seite ein undurchdringlich aussehender Regenwald umgab, welcher den Lake zur Hälfte umschloss und noch mehr den Look einer Oase, fast schon Fata Morgana, hervorrief. Ich hatte noch nie zuvor ein Gewässer mit so einem satten, klaren Grünton gesehen, und beim Herangehen war schon zu erkennen, dass das Wasser kristallklar war. Begeistert legten wir unsere Sachen schnellstmöglich ab und sprangen ins Nass – Haie, Quallen oder auch Krokodile waren in diesem Süßwassersee laut Troy nicht zu befürchten, also ließen wir uns unbesorgt treiben und genossen diese wohlverdiente Abkühlung nach unserem anstrengenden Walk.
Es war so heiß, dass das Wasser am Ufer sogar relativ warm war, und erst Richtung Seemitte kühl wurde. Das Wasser des Sees wurde von den unterirdischen Süßwasserquellen der Insel gespeist, und aufgrund der vielen Teatrees um den Lake herum hatte das Baden in diesem Lake sogar eine ähnliche Wirkung wie wohltuende Pflegeprodukte für Haut und Haar: Die Ureinwohner dieser Insel hatten sich seit hunderten Jahren bereits regelmäßig zu diesem See begeben, um sich in diesem Wasser säubern und pflegen zu können. Wir legten uns irgendwann zusammen in den See und ließen eine kleine Drohne fliegen, welche wirklich fantastische Aufnahmen von diesem unglaublichen Ort machte.
Nach einiger Zeit fielen uns die kleinen, farblos/gräulichen Fische auf, welche uns umschwärmten und erinnerten uns an Troy, welcher uns von genau diesen erzählt hatte: Diese Fischchen waren dieselben wie jene in den Wellnesssalons, welche einem in Wasserbecken die abgestorbenen Hautschuppen vom Körper knabberten. Als wir alle stillhielten, taten sie in Schwärmen auch genau das, und da ich es vorher noch nie erlebt hatte, genoss ich dieses natürliche Körperpeeling. Es war anfangs etwas ungewohnt, die Fische knabbern zu lassen, ohne aus Reflex zu zucken, aber nach kurzer Zeit konnte ich mich wirklich darauf einlassen und genoss diese Ganzkörperbehandlung sehr. Es fühlte sich an wie ein leichtes, feines Zubbeln am Körper, welches aber keinsfalls unangenehm oder gar schmerzhaft war. Nachdem eine kleine Ewigkeit verging, entschieden wir uns, noch etwas mehr Bräune einzuholen und legten uns auf unsere Handtücher in den weißen, wärmenden Sand. Selten hatte ich beim Lesen mit meinem Kindle eine so wunderschöne Kulisse: Die Geräusche des dichten Regenwaldes mischten sich mit dem friedlichen, sanften Plätschern des Sees, welcher im Licht der langsam tiefer werdenden Sonne glitzerte und in einem magischen Grünton schimmerte. Dazu kam der weiche, feine Sand in welchen wir uns niedergelegt hatten, welcher so weiß war, dass man schon fast lieber seine Sonnenbrille aufbehalten wollte. Irgendwann, war dann die Zeit zum Aufbruch gekommen, doch ich war irgendwie noch gar nicht bereit, diesem wundervollen Ort den Rücken zu kehren. Da wir jedoch zurück mussten, hieß es dann, sich von der kleinen Oase zu verabschieden. Als wir die Düne, welche wir vor Stunden heruntergekommen waren wieder heraufstiegen, drehte ich mich oft zum Lake Wabby um, um mir diesen schönen Anblick auch wirklich verinnerlichen zu können. Der Walk zurück an den Strand zu den Autos war zwar trotzdem kein Zuckerschlecken, jedoch um einiges einfacher als der Hinweg. Am Strand angekommen, ging es dann wieder zum Camp, wo bereits ein leckeres Australien-Barbeque auf uns wartete (Für mich gab es natürlich die vegetarische Version). Nach dem Essen hatten wir eine kurze Teambesprechung mit den insgesamt 30 Teilnehmern dieser Tour, wo der nächste Tag besprochen wurde, und dann durften wir uns den Abend lang frei beschAEftigen. An disem Abend lernten wir die Horne kennen: Längliche, bemalte hölzerne Rohre, welche ursprünglich von den Butchulla, den Ureinwohnern dieser Insel stammten. Diese musizierten mit den Rohren, und setzten sie auch bei Festen sowie Zeremonien ein. Es ging reihum, und jeder probierte sich aus. Troy zeigte uns, wie das tiefe, brummende Geräusch mithilfe des Rohrs erzeugt wurde, bei vielen klang es aber beim ersten Mal so, als würden sie auf dem Klo sitzen 😀
Nachdem alle immer und immer wieder ihren Spaß damit hatten, wandte sich die Aufmerksamkeit anderen Dingen zu: Wir spielten Trinkspiele in Form von Kartenspielen, stießen im Schein der untergehenden Sonne an und genossen unser aller Gesellschaft noch bis in die Nacht hinein. Irgendwann beschlossen wir, uns etwas die Beine zu vertreten, und machten uns mit unseren Dingo-Sticks auf zum Strand. Aufgrund der hier lebenden Dingos, welche wilder sind als sie aussehen, hatten wir alle immer einen Stick dabei, sobald wir das Camp verließen, um bei potentiellen Dingo-Begegnungen eine Abschreckung zu haben. Am Strand tanzten wir ausgelassen zu guter Musik und ließen dabei die ganze Szenerie auf uns wirken.


Der hoch am Himmel stehende Vollmond, welcher ein helles Licht auf den ganzen Strand warf, der weiche Sand zwischen den Zehen und das beruhigende, kontinuerliche Meeresrauschen im Hintergrund. Da unsere Tourgruppe leider nicht unbedingt aus Leuten in unserem Alter bestand, war zu dem Zeitpunkt der Großteil bereits zum Schlafen in den Zelten verschwunden, und wir waren unter uns. Irgendwann trafen wir auf zwei Guys, die uns mit zu ihrer großen Gruppe nahmen, welche mit Bier in einem Kreis am Strand saßen. Dort hatten wir schlussendlich sehr viel Spaß, und auch dort fand diese erste Nacht auf Fraser Island ihr Ende.

Als langsam die Müdigkeit eintrat, machten wir uns auf den Weg in unsere Zelte, und fielen wie Steine aufs Lager. Knappe fünf Stunden später klingelte auch schon wieder lautstark der Wecker, um 4;30 Uhr morgens stolperten wir dann gähnend aus den Zelten, mit dem Ziel, den Sonnenaufgang am Strand zu erleben. Leider war es über Nacht ein wenig bewölkt geworden, weshalb man die Sonne nicht im ganzen Ausmaß wahrnehmen konnte, jedoch war es trotzdem relativ schön.

Danach legten wir uns dann kurzerhand noch für eine knappe Stunde hin, bis es dann um 6:30 Uhr morgens Frühstück gab: Ich denke, das letzte Mal, dass ich so früh gefrühstückt habe, war ich wohl noch in der Schule… Crazy! Nach dem leckeren Frühstück machten wir uns in unseren Fahrzeugen auf den Weg zu unserem nächsten Spot: Eli Creek. Bei Eli Creek handelt es sich um einen Süßwasserfluss, welcher pro Stunde ganze vier Millionen Liter Trinkwasser in den Pazifik führte. Er ist an den meisten Stellen nur knietief und kristallklar. Ein Holzpfad ging ein Stück den Creek entlang in den Dschungel, nach etwa fünf Minuten erreichten wir eine hölzerne Treppe, welche uns runter zum Wasser führte.


Er ist bekannt für seine träge, aber stetige Strömung, welche einen bis hinunter zum Meer führt. Dementsprechend waren wir mit Schwimmreifen ausgestattet, und genossen die Sonne und die paradiesisch aussehende Umgebung, während wir uns im Strom gleiten ließen.

Dies erinnerte mich sehr an die künstlichen Flüsschen in den Wasserparks, in welchen ich mich auch immer gerne habe treiben lassen, und nun so einen von der Natur geschaffenen Fluss inmitten dieser wunderschönen Kulisse zu erleben war schon sehr einzigartig.
Nach einiger Zeit, die wir am Creek verbracht hatten, inklusive ausgiebigen Bräunens am Sandufer, hieß es nun ab in unsere 4WDs, denn nun stand das bekannte „Maheno“-Schiffwrack an, welches etwa 5,5km vom Creek entfernt am Sandstrand der Insel lag.
Die Maheno ist ein sehr geschichtsträchtiges Schiff, welches bereits im ersten Weltkrieg zum Einsatz kam, erfuhren wir von Troy. Nach diesem wurde sie restauriert, konnte jedoch als mit Kohle betriebenes Schiff nach einiger Zeit nicht mehr mit der aktuellen Technik mithalten, und wurde an Japaner verkauft, welche sie aus dem Hafen Sydneys nach Asien schleppen wollten, mit dem Ziel sie zu zerlegen und zu recyclen. Jedoch geriet die Maheno samt ihres Schlepperschiffs in einen Zyklon, kenterte, und strandete an Fraser Island.

Dort liegt sie nun schon seit circa 1935, und mittlerweile ist nur noch rund 10% des gesamten Schiffs an der Oberfläche zu sehen, der restliche Teil ist bereits im Sand eingesunken. Angesichts ihrer immer noch recht stattlichen Größe war sie ein richtiger Riese gewesen. Nachdem wir dort ein paar Drohnenaufnahmen gemacht, und das Wrack bestaunt hatten, ging es auch schon weiter.
Wir fuhren ein gutes Stück am Strand entlang, in Richtung der berühmten „Champagne Pools“. Dort angekommen, wurde uns sogleich klar, wieso sie diesen Namen trugen. Die Pools lagen lagunenartig direkt am Meer, und die Wellen brachen sich an ihren Gesteinsrändern, sodass die Pools richtig schäumig wurden und sich auch ganz viele Blubberblasen bildeten – vergleichbar mit Champagner :). Die Aussicht auf die Pools war atemberaubend, und als wir den Pfad zu ihnen hinunter gingen, wurde es immer besser.

Auch hier war das Wasser kristallklar (mittlerweile wundert dies hier niemanden mehr :D), und die Pools werden auch „Aquariums“ genannt, da sie eine Vielzahl an kleineren und mittelgroßen Fischen beherbergen, welche ich mit Tauchermaske bereits bewundern konnte – mittlerweile freue ich mich immer mehr auf das Tauchen am Great Barrier Reef!

Wir sonnten uns, genossen das angenehme Wasser, und hatten zusammengefasst mal wieder eine unglaublich tolle Zeit!


Als es dann zurück zu den Autos ging, war der Tag aber noch lange nicht vorbei: Nun ging es zum größten Felsen der gesamten Insel, „Indian Head“, von den Ureinwohnern der Insel „Tuckee“ genannt.

Der Weg hinauf war sogar relativ erträglich, und von oben bot sich erneut eine tolle Aussicht.

Hier gab es von Troy eine weitere kleine Geschichtsstunde: Er erzählte uns nicht nur von der tiefen Verbindung der Ureinwohner mit diesem Felsen, sondern auch von deren Überlieferungen der Entstehung der Insel. Mir gefiel es wirklich gut, wie wir nach und nach die paradiesischen Flecken der Insel für uns entdeckten, und gleichzeitig aber auch ganz viel über diese und die Insel an sich lernten. Nach „Indian Head“ ging es dann auch schon wieder Richtung Camp, bei den meisten meldete sich bereits der Hunger. Auf dem Rückweg machten wir nochmal einen kleinen Zwischenstopp bei Eli Creek, und erreichten dann kurz darauf das Camp, wo bereits ein leckeres Abendessen wartete. Das Ende unseres zweiten Tages auf der größten Sandinsel der Welt näherte sich, und geschafft vom heutigen Tag saßen wir noch alle beisammen in gemütlicher Runde. Ich schrieb ein wenig meine Erlebnisse nieder, ein paar Postkarten wurden auch verfasst und in Erinnerung an diesen schönen Tag ließen wir den Abend ausklingen. Spontan erfuhren wir von Troy, dass heute Abend ein 99% voller Mond gemeldet war, welcher planmäßig über dem Meer „aufgehen“ sollte. Gegen 20:00 Uhr begaben wir uns also alle an den Strand, und sahen uns den rotorangenen Mondaufgang an – man konnte fast meinen, es wäre die Sonne!

Nachdem unser Plan für den nächsten und auch letzten Tag besprochen wurde, ging es auch schon ins Zelt. Für den kommenden Tag war etwas Regen auf dem Radar, da wir jedoch nicht am frühen Morgen schon damit rechneten, ließen wir die beiden Seiten der Zelte, welche man aufrollen konnte, geöffnet, lediglich das dicke Fliegennetz ließen wir an den Seiten. Bei unserem Glück wachten wir dann natürlich um 4:00 Uhr morgens auf, als dicke Regentropfen auf uns platschten. Fluchend machten wir uns schnellstmöglichst daran, die Zeltwände wieder runterzurollen, und versuchten noch bis zum Weckerklingeln um 6:20 Uhr zu schlafen.
Um 6:30 gab es dann das letzte Frühstück auf der Insel, und wir machten uns mit unseren Autos auf: Es ging landeinwärts durch hubbelige Sandwege direkt in den Regenwald.

Die Fahrt war zwar eine kleine Herausforderung für die Autos, aber ziemlich lustig für uns. Es ging auf und ab, kreuz und quer, und ohne die Gurte wären wir wahrscheinlich bei jeder Unebenheit durchs ganze Auto gehüpft – der ganze Weg an sich war eine einzige Unebenheit 😀 Nach einer nicht gerade kurzen Strecke machten wir einen kleinen Stopp in „Pile Valley“, wo der wahrscheinlich älteste Baum der Insel stand: Ein Vorgänger der bei Koalas beliebten Eukalyptusbäume, welcher bis hoch in den Himmel ragte, und nur spärlich Sonnenlicht durch seine ausladenen, gewaltigen Kronen hindurchließ.

Er bestand aus besonders resistentem Holz, und bis in die 1990er hinein wurde in diesem Regenwald auch noch viel Holz in die ganze Welt verschifft, als Fraser Island jedoch als „World Heritage“ gelistet wurde, wurde dies, und das „Sandmining“ auf der Insel zum Glück verboten, um die Natur hier zu erhalten. Nach einem kleinen Treehug ging es dann weiter.

Unser eigentliches Ziel war der Lake McKenzie, einer der bekanntesten Orte Fraser Islands. Nach einem guten Stück Autofahrt waren wir angekommen, und gingen den Weg zum See hinunter. Ich war sehr gespannt, ob dieser seinem Ruf gerecht werden würde, da ich schon sehr viele Bilder mit regelrecht unwirklich aussehenden, blauen Wasser gesehen hatte, und ich sollte nicht enttäuscht werden: Der große Süßwassersee war wirklich unglaublich schön, und verlief von traumhaft durchsichtigen Wasser hin zu einem türkisblau, welches sich Richtung Seemitte zu einem satten tiefblau wandelte.
Die Sonne brach sich auf der Wasseroberfläche und ließ das Wasser funkeln. Ich glaube, ich habe noch nie so feinen, weichen und vor allem weißen Sand gesehen! Im Wasser nahm ich mir etwas Sand vom Grund, und er war wirklich blassweiß und kein bisschen gelblich, wie man es von Stränden normalerweise kennt.


Da wir relativ früh da waren, hatten wir den See noch lange fast komplett für uns, genossen diesen paradiesischen Flecken Erde und tauchten auch ein wenig mit der Tauchermaske. Ein weiteres Highlight waren die Drohnenaufnahmen, die wir hier machten, alles sah einfach aus wie in einer Fernsehwerbung!
Die Zeit hier verging wirklich viel zu schnell, und ehe es uns bewusst war, saßen wir schon wieder in den Autos. Unser letzter großer Stopp war ein weiteres Stück im Herzen des Regenwaldes, der Wanggolba Creek.

Er lag inmitten des Waldes und ist von weitem eher unscheinbar: Am Anfang mag man vielleicht sogar den Eindruck bekommen, er sei nicht klar, da man nur den Sandboden vom Weiten sah: Das Wasser Creeks war nämlich so durchsichtig, dass es auf den ersten Blick gar nicht wahrgenommen wurde! Dort angekommen, fielen unter anderem die riesigen Farne auf, welche am Rand des Flussbettes aus dem Flussbett sprossen. Troy erzählte uns, dass diese Farne die ältesten Pflanzen überhaupt waren, und in der Kreidezeit, während der Zeit der Dinosaurier, noch viel mehr verbreitet waren, da es damals überall sehr feucht war. Diese Art von Farn hat den Namen Königsfarn, da er der größte seiner Art ist.

Außerdem ist das Wasser, welches in diesem Creek fließt, rund hundert(e) Jahre alt, da es aus Regenwasser besteht, welches vor einem oder mehreren Jahrhunderten in den Boden gesickert ist, und an dieser Quelle wieder austritt. Dann wurden wir zu einer Stelle geführt, wo wir unsere Flaschen mit diesem kostbaren Springwater auffüllen konnten – ich habe selten so etwas frisches getrunken!
Anschließend ging es auf einem Holzweg quer durch den Dschungel zu einem Picknickbereich, wo wir uns mit leckeren Wraps für den bevorstehenden Weg stärkten: Denn nun waren wir beinahe am Ende der gesamten Tour angelangt.

Es ging nun aus dem Regenwald heraus, am ganzen Strand entlang wieder zurück zum Anlegerplatz der Fähre, welche uns wieder ans Mainland bringen sollte. Die Zeit hier auf Fraser Island ist so unwirklich schnell verflogen, ich kann es immer noch nicht ganz glauben, was ich während dieser drei Tage alles sehen und erleben durfte: Vergessen werde ich es so schnell nicht! Nachdem wir mit der Fähre übergesetzt waren, ging es am Strand entlang mit den Autos nach Noosa, wo wir hergekommen waren. Dieser Strand war aber nicht irgendein Strand, sondern der Rainbow Beach. Da der Regen leider wieder eingesetzt hatte, war es sehr bewölkt, also nicht gerade ganz ideal, um diesen Strand bewundern zu können. Der Sand und die Sandformationen, welche sich am gesamten Strand eentlangzogen, bestand aus Sand in insgesamt siebzig unterschiedlichen Farbtönen; Irgendeiner hatte sich mal hingesetzt, und dies alles ausgewertet, so unser Tourguide. An der prächtigsten Farbformation machten wir dann einen kurzen Stopp, um uns diese nochmal genauer anzuschauen.

Dies war auch unser einziger Stopp hier, und nun ging es straight zurück zu dem Abholpunkt unserer Reise, dem Büro der Company, mit der wir diese ganze Tour gebucht hatten, wo alles vor drei Tagen losgegangen ist. Während der langen Fahrt am Strand mit unserer 4WD-Karawane entwickelte sich ein kleiner Karaokewettbewerb, welchen wir mit den anderen drei Autos über die Walkie Talkies austrugen. Abwechselnd schmetterten wir die verschiedensten Songs in das Walkie Talkie, und schüttelten uns vor Lachen, als wir die anderen übers Walkie Talkie singen hörten: Es war dann nicht nur schief, sondern teilweise auch ziemlich verzerrt durch das Walkie Talkie. Wir hatten wirklich wahnsinnig Spaß, und egal wie blöd es wahrscheinlich ausgesehen haben muss, diese Erinnerung ist eine von vielen, die ich mir immer bewahren werde. Die Zeit verging schnell und schon waren wir am Treffpunkt angekommen, wo wir vom Shuttle abgeholt werden sollten. Nach einer Verabschiedung von allen, und einer ganz herzlichen Verabschiedung von unserem tollen Guide Troy, wartete ereits das Shuttle, welches uns zum Hostel bringen sollte, auf uns. Dort haben wir dann noch eine Nacht in Noosa, bevor es am nächsten Tag dann mit dem Reisebus weiter nach Rainbow Beach gehen sollte, ein weiterer Halt auf unserer Reise „hoch“ nach Cairns.
Fraser Island, thanks for having us, you really were something special!
