Am 02. März hieß es dann für mich Abschied nehmen – mein letzter Tag in Australien war angebrochen. Auf zum Airport, unsicher trat ich dem freundlich lächelnden Airline-Mitarbeiter bei der Gepäckabgabe entgegen. Zwar blickte ich voller Vorfreude auf die nun kommenden Wochen, konnte es aber kaum verarbeiten, was dies nun bedeutete. Jahrelang habe ich mir immerzu Bilder dieses wunderschönen, so fernen Kontinents angeschaut, mein Handeln war in vielerlei Hinsicht mit dem Blick auf die Zukunft ausgelegt, mir diesen Traum erfüllen zu können. Das Schwärmen für diese Orte am anderen Ende der Welt nahm kein Ende, und ich baute eine tiefe Verbundenheit zu ihnen auf, mit dem Gefühl, sie bereits zu kennen obwohl ich sie noch nie mit eigenen Augen gesehen hatte. Als es dann Anfang September losging, lag mir derselbe unbeschreibliche Geschmack auf der Zunge wie jetzt, wo sich mein Aufenthalt nun dem Ende neigt – Mit dem einem klaren Unterschied, dass der Mensch, welcher nun ins Flugzeug steigt sich um einiges von demjenigen unterscheidet, welcher letztes Jahr die Reise in die Ferne angetreten war. Einen Blick über den eigenen Tellerrand wagen, ja sogar ein, zwei Schritte über diesen hinaus gehen… Wer hätte gedacht, dass es eine Reise über 15.000km ans andere Ende meiner Welt braucht, um dies zu bewerkstelligen? Ich definitiv nicht. Die erhofften Tage des Glücks, der Freiheit und dem süchtig machenden Gefühl, einen ganz besonderen Ort das erste mal für sich selbst zu entdecken – All diese Erwartungen wurden nicht nur übertroffen, sondern machen nun mit all ihren guten sowie auch „schlechten“ Erfahrungen eine neue Seite an mir aus. Eine gereifte, auch realistischere Seite, welche mir als Teil meiner sich immer weiterentwickelnden Persönlichkeit erlaubt hat, einen vorher noch nicht gekannten Frieden in mir und mit mir selbst zu finden. Auch Dankbarkeit gehört zu dieser Seite, Dankbarkeit für diese ganz besondere Zeit, die ich erleben durfte, und Dankbarkeit für all diese „schlechten“ Momente und Tage. im Nachhinein sind es nämlich eben jene, welche einem dazu verhelfen, über seinen eigenen Komfortbereich hinauszuwachsen, hinauswachsen zu müssen, um Herausforderungen zu meistern, welche sich einem in den Weg stellen. Und naja, im Nachhinein scheint rückblickend auch alles ein wenig simpler als im jeweiligen Moment. Als ein organisationsliebender Mensch bin ich mit lauter Plänen, Vorstellungen und natürlich auch einiges an Vorbereitung in den Flieger gestiegen. Nun ja, wenn es um Stressbewältigung geht, hat natürlich jeder seine eigene Art und Weise, mit gegebenen Situationen fertig zu werden. Die meine war angesichts meiner bevorstehenden Solo-Reise ans andere Ende der Welt nun mal das Erstellen (gefühlt) hunderter Zeit- und Strategieplänen. Alles war durchdacht und durchplant: Die Länge meines Aufenthalts im ersten Hostel, die Wohnungssuche danach, mein Job, meine wöchentlichen Ausgaben kalkuliert, um am Ende auf genügend Geld fürs Reisen zu kommen, und und und… Nun ja, im Nachhinein ist alles schief gelaufen. Nein, „schief“ laufen ist der falsche Begriff, eher „anders“ ist es gekommen. Anders durch nicht planbare Bekanntschaften, unvorhergesehende Chancen resultierend in überworfenen Plänen und neuen Vorstellungen. Damit einhergehend der mehrmalige Standortwechsel: Vom Hostel in eine Wohnung zurück ins Hostel und in eine andere Wohnung. Von einer Arbeitsstelle zur zweiten, und schließlich durch aufgetane Tür zur schlussendlich dritten. Ein paar neue Bekanntschaften später saß ich dann im Reisebüro – Der Trip entlang der Ostküste war geplant und mit einem Durchzug der Kreditkarte bezahlt. Weihnachten stand vor der Tür, nicht jedoch die so geliebte festliche Stimmung, welche ich wohl zuhause in Deutschland gelassen haben musste. Einige Weihnachtsfilme und sechzehnstündige Arbeitsschichten später konnte ich einem der spektakulärsten Silvesterfeuerwerke weltweit beiwohnen und feierte gebührend ins neue Jahr, während meine Familie und Freunde zuhause noch im Jahr 2019 lebten. Einen Wimpernschlag später sah ich mich auch schon einem leeren Bagpack und einer Unmenge an Klamottenstapeln gegenüber – Nun hieß es, mein Leben der letzten Monate wieder in dieses verhältnismäßig kleine Gepäckstück zu quetschen und von allen und allem mittlerweile vertrauten Abschied zu nehmen – Abschiede, mit dem schweren Gefühl im Magen, dass einige wahrscheinlich für immer sein würden. Drei Wochen die Ostküste Australiens hochfahren – Eine Zeit voller neuer Erlebnisse, Orte und auch viel zu vieler Nudeln, die verzehrt wurden. Das Bagpackgerleben in vollen Zügen genießen, das hieß abgesehen von allen immer wieder hervorgehobenen Höhepunkten auch, sich den Rücken beim Tragen des Undings von einem Bagpack zu verbiegen, wenn es von A nach B ging (Und die Erkenntnis, dass kein Bagpack dieser Welt dieses Gewicht meiner Sachen erträglicher machen könnte). Von mehrtägigen Touren an die verschiedensten Orte, wunderschönen Regenwäldern, Sprüngen in die Tiefe – vom Tauchboot in faszinierende Unterwasserlandschaften, sowie vom Flugzeug in fünfzehntausend Metern Höhe. Über Surfen an den bekanntesten Stränden des roten Kontinents, das Partyleben und der allgegenwärtige, doch gehasste Bagpackerwein Goon nicht zu vergessen… In kurze Worte fassen und beschreiben lassen sich all diese und noch unzählige weitere Erlebnisse während dieser Zeit nicht, und ich will mich auch davor hüten, denn gerecht werden würde ich all dem in meiner Beschreibung keinesfalls werden. Gerade jetzt bin ich beim Rückblick mehr als glücklich über den Bilderwahn meiner Travelbuddies und mir – Bilder stellen wirklich eine Brücke zu vergangenen Zeiten her, und sind definitiv ein Kernstück meiner Erinnerungen an diese Zeit. Wie unwirklich es ist, jetzt darüber nachzudenken, dass ich aus fünfzehntausend Metern in die Tiefe gesprungen bin? Mit Haien, Schildkröten und unzähligen anderen Meeresbewohnern getaucht bin? Trotz meines Angsthasenstatus habe ich mich so einige Male überwunden und kann nun diese Dinge von meiner Bucketlist streichen. Von tropischem Klima und Regenwald ging es dann Ende Januar in den trocken heißen Westen: Eine Woche Perth, und darauf dann zwei Wochen die Westküste erkunden. Mit Menschen, die ich nicht kenne, eine Tour durch wildfremdes Gebiet zu machen, warf schon ein wenig Bedenken auf. Und doch wurde dieser Trip ein ganz besonderes Highlight meiner Reise und die drei Mädels zu guten Freunden – Wieder eine vornherein ganz und gar nicht geplante Erfahrung, zu der Australien mir verhalf. Zwei Wochen später, wieder mit unglaublichen weiteren Eindrücken und nun auch einer GoPro im Gepäck, welche ich mir vor dem Westküstentrip zulegte: Eine neue Art der Momentaufnahme für mich, welche die Erlebnisse auf ganz andere Art und Weise wieder aufleben lassen als Bilder. Nun ging es mit wiederum neuen Menschen die Südküste herunter: Das bedeutete für mich nun das erste Mal Autofahren in Australien! Holprige Sand und Bergwege hoch, stundenlange Fahrten auf schnurgeraden Straßen und das Fahren am Strand entlang mit malerischer Kulisse des Lucky Bays warteten auf uns. Die Erfahrung, beinahe ein Känguru anzufahren, war auch im gesamten Erlebnispaket mit drin – dank schneller Reflexe meinerseits sowie der des Kängurus ist alles glatt gegangen. Es kam unbeschaden, und ich mit einem ziemlichen Schrecken davon. Diese Zeit verflog, wie bereits gewohnt, auch wie im Fluge – und schon fand ich mich kurz vor meinem eigenen Flug am Perth International Departure Gate wieder – dem Ausgangspunkt dieses Blogposts. Vor mir lag nun die Erkundung Balis mit lieb gewonnenen Freunden aus Sydney, hinter mir AUSTRALIEN – was ein Gefühl. Man sagt ja, Vorfreude sei die beste Freude, und wenn man so kurz vor Ende des ganzen Erlebnisses steht, welchem man Jahre hinfieberte, ist man so ziemlich geneigt, diesem Satz voll und ganz zuzustimmen. Ich will nicht lügen, die ein oder andere Träne ist mir während dieser drei Stunden Wartezeit auf meinen Flug schon gekommen. Als ich dann im Flieger saß, der Abflug kurz bevor stand und die Lichter ausgingen, fühlte es sich umso mehr wie ein ungewisser Abschied an. Und ein Abschied war es ja auch, denn noch weiß ich nicht, wann ich nochmal die Möglichkeit haben werde, nach Australien zurückzukkehren, aber eins steht fest: Ich werde es auf jeden Fall! Zwar habe ich während meiner Zeit dort bereits so einiges sehen und erleben können, jedoch gibt es noch sehr viel mehr von der Liste abzuhaken. Fest steht auch noch, dass beim nächsten Besuch in Australien definitiv auch ein Abstecher nach Neuseeland gemacht wird – Ich möchte dieses ganz besondere Land auf jeden Fall mit einem kleinen „Home on Vehicles“ selbst erkunden. Doch bis dahin wird noch einiges an Zeit vergehen – das hab ich so im Gefühl, aber stressen lassen werde ich mich auf keinen Fall: Denn ich habe noch alle Zeit der Welt!

(Und einiges an Zeit nehmen werde ich mir auch für meinen Bali & Corona Update Post nehmen, es kommt wenn’s kommt 😉 )