01.12.19: Stockton & Port Stephens

Nach kurzer spontaner Planung war es dann heute soweit: Mein erster kleiner One-Day-Roadtrip mit zehn Freunden stand an. Zudem war es das erste Mal überhaupt, dass ich selbst ein Fahrzeug gemietet habe, was ich nun mit auf meine Liste der „First-Time-Ever“-s setzen kann 🙂 Um 4:00 Uhr morgens ging es dann los Richtung Maroubra, um den Van abzuholen. Übermüdet war ich nicht nur aufgrund der echt frühen Uhrzeit, sondern auch weil ich ganze zehn Minuten lang geschlafen habe. Am Tag zuvor stand eine Fünfzehn-Stunden-Schicht bei einem Event mit ganzen 800 geladenen Gästen an, um 2:30 Uhr morgens war ich dann im Appartment, habe Sachen gepackt, mich fertig gemacht, einen wirklich kurzen zehnminütigen Powernap gehalten und dann ging es auf zur Bahn um den Van abzuholen… Aber so ist das Leben hier nun mal, ein ziemliches Hin- und Her zwischen Arbeit und Reisen, aber ich liebe es (den Teil des Reisens zumindest 😉 ). Den Van, der laut Owner auf den süßen Namen „Sandy“ getauft wurde, haben James und ich (der sich ganz lieb dazu bereit erklärt hat, zu fahren) dann nach Town Hall gefahren, wo wir den Rest der Truppe eingesammelt haben.

„Sandy“

Dann ging es los auf unsere zweieinhalbstündige Fahrt, von der ich aber nicht viel mitbekommen habe, bei dem Versuch, etwas Schlaf nachzuholen. Unser erster großer Stopp war dann (abgesehen von Frühstück bei McDonalds irgendwo im nirgendwo) Anna Beach bei den Stockton Sand Dunes. Bei letzteren handelt es sich um einen riesigen, feinen Sandstrand, der eher schon an eine große Wüste erinnert mit all seinen Dünen, und sich ganze 32km von Newcastle bis hoch nach Port Stephens langzieht.

Neben Kamelreiten bis hin zu Sandboarden wurden echt viele Aktivitäten angeboten, wir haben uns aber unsere Sachen geschnappt und sind vom Parkplatz direkt in die Stockton Sand Dunes gelaufen. Die Dünen waren wirklich riesig und teilweise endlos lang, der Aufstieg barfuß durch den feinen Sand war schon eine schwierige Angelegenheit, aber es hat sich definitiv gelohnt! Wir haben echt eine Menge Spaß gehabt, sind die Dünen entlanggegangen, haben uns hingesetzt, den Ausblick genossen – und natürlich auch Bilder gemacht.

Roadtrip-Squad
Unsere (mehr oder weniger) erfolgreiche Darstellung einer menschlichen Pyramide 😀

Es ist unglaublich, wie vielseitig Australiens Landschaften sein können, von wunderschönen, dschungelhaften Gebirgslandschaften bis hin zu menschenleeren Traumstränden und auch Wüsten ist alles dabei. Nach einiger Zeit in den Sand Dunes haben wir uns dann auf den Weg Richtung Anna Beach gemacht, wo wir auch die „Sandy“ geparkt hatten. An dem Tag war es teilweise etwas windig, aber zum Glück auch schön warm, sodass wir noch eine Weile einfach nur am Strand gelegen und Energie getankt haben. Next Stop war dann Richtung Port Stephens der Tomaree Lookout Point im gleichnamigen Tomaree National Park. Auf dem Weg dahin sind wir an wirklich wunderschönen Ecken vorbeigekommen: Strandabschnitte mit paradiesisch blauem Wasser und public BBQ-Stations direkt am Pier waren ein wirkliches Highlight und es war echt schade, dass wir nichts dabeihatten, denn gegen ein Aussie-Barbeque hätte ich wirklich nichts einzuwenden gehabt. Am Fuß des Tomaree-Mountains haben wir dann die gute „Sandy“ geparkt, und den Aufstieg begonnen. Der Wanderweg hoch zum Lookout-Point  war teilweise ziemlich steil mit unzähligen Stufen und Windungen, aber wunderschön angelegt.

In Deutschland war ich wirklich kein Fan vom Wandern, aber seitdem ich hier Down Under bin hat sich das alles komplett geändert, und obwohl wir alle ziemlich schweißgebadet oben angekommen sind, hat es mir echt Spaß gemacht und ich freue mich schon sehr auf das nächste Mal Wandern. Oben angekommen, waren wir nach einer kurzen Atempause ziemlich sprachlos, als wir uns umgeschaut haben.  Die Aussicht kannte ich zwar von Bildern, aber kein Bild der Welt wird der Sicht gerecht, die man von oben hat wenn man wirklich dort steht.

Wir hatten einen 360 Grad Ausblick mit einem Weg, der zu kleinen Plattformen rund um die Bergspitze führte. Auf der einen Seite das weite Meer, auf der anderen Seite die langgestreckte Bucht mit den (von oben) winzigen Häuschen und das Highlight natürlich: Der bekannte Ausblick auf die drei Berge mit dem Fingal Bay im Hintergrund, von dem aus bei Ebbe ein schmaler Sandweg zur gleichnamigen Insel Fingal Island führt. Kurz gesagt, ein weiterer von bisher vielen atemberaubenden Ausblicken, die ich in Australien bisher erleben durfte. Der Weg runter war dann natürlich um einiges schneller als bergauf, und wir haben auch ein paar kleinere und größere Echsen gesehen (zum Glück ist mir bisher noch keine Schlange über den Weg gekrochen). Zurück beim Van haben wir beschlossen, den Rest des Trips am Fingal Bay zu verbringen, die wir bereits vom Lookout Point gesehen hatten. Einen kurzen Supermarktstopp später waren wir auch schon da, und dieser Strand hat es auf die Liste meiner Lieblingsstrände geschafft (die sich im Laufe der Zeit wahrscheinlich noch hundert Male ändern und vergrößern wird).

Fingal Beach hat einen wunderschönen, großen hellen Sandstrand mit ganz vielen Muscheln. Das Wasser war kristallklar und es gab keine Algen weit und breit. Die Luft war frisch und hatte den unverkennbaren Geruch nach Meer, was ich über alles liebe. Die Wellen haben, nachdem sie schäumend gebrochen sind, unglaublich schön in der Sonne geglitzert. Wir sind dann ein ganzes Stückchen am Strand entlanggegangen, Richtung Fingal Spit, so wird der schmale Sandweg vom Strand zur Insel genannt. Tatsächlich wird abgeraten, hier schwimmen zu gehen, vor allem da die Strömung ziemlich gefährlich werden kann, wenn man versucht zur Insel zu kommen weil die Gezeiten mehr oder weniger unberechenbar sind und der Sandweg bei Flut unter Wasser liegt. Zudem soll es laut dem Schild an der Bucht Haie geben, was uns aber nicht abgeschreckt hat, trotzdem in die Fluten zu springen und bei langsam untergehender Sonne das Wasser zu genießen – immerhin sind wir in Australien, Haiwarnungen gibt es hier gefühlsmäßig an jeder Ecke. Da wir Ebbe hatten, war der Sandweg zur Insel hin relativ breit und trennte das Meer auf, also sind wir teilweise von einem Meer zum anderen hin gelaufen, zehn Meter Sandstrand lagen dazwischen, also wenn jemals Langeweile aufkam konnte immer mal wieder das „Meer gewechselt“ werden :D. Zum Leuchtturm auf der Insel konnten wir aufgrund Zeitmangel nicht mehr, aber dann haben wir umso mehr den Strand genießen, und etwas Bräune dazugewinnen können (in einigen Fällen gab es dann den ein oder anderen Sonnenbrand, wovon ich glücklicherweise bisher verschont geblieben bin).

Die Zeit verging viel zu schnell und schon mussten wir uns wieder auf den Weg zum Parkplatz machen – Sandy wartete und wir hatten noch einen langen Rückweg anzutreten. Auf dem Rückweg, wie konnte es anders sein, schnarchten die meisten wieder lustig vor sich hin, und das blieb dann bis auf den kurzen Tank- und Foodstop den wir hatten auch genau so. Als wir in Sydney ankamen, war es bereits komplett dunkel und wir waren alle ziemlich froh, bald wieder im Bett liegen zu können. Nachdem wir uns von Sandy verabschiedet haben ging es dann straight back to the appartment, und nach fast zwei Tagen ohne richtigen Schlaf war ich dementsprechend fix und fertig – aber voller wunderschöner, neuer Erinnerungen (und Fotos). Tatsächlich ging dann bei uns erst wieder um 2:00 Uhr morgens das Licht aus, da ich heute aber nicht arbeiten musste habe ich schön lange schlafen können.                                                     Es sind diese kleinen Roadtrips und spontanen Unternehmungen, die mich immer wieder erneut daran erinnern, wieso ich das Ganze überhaupt mache, und wann immer ich in Arbeit zu versinken drohe denke ich genau daran, um neue Kraft zu sammeln. Australien bisher war voller neuer Erfahrungen, ungeahnter Ereignisse und auch teilweise Hürden, die aber im großen und Ganzen zu dieser großen Reise dazugehören und jeden, der sich in so ein Abenteuer wagt, an und mit sich selbst wachsen lässt. Ich wiederhole mich in dieser Hinsicht immer wieder, aber jeden Tag bin ich dankbar für dieses neue Leben, das ich hier führen darf und trotz des Heimwehs und der langen Arbeitstage würde ich mich immer wieder für diesen Weg entscheiden, da ich auch jetzt schon das Gefühl habe, in so vielen Hinsichten eine positive Entwicklung gemacht, und mich selbst viel besser kennengelernt zu haben.