New Years Eve 2019/20

New Years Eve in Sydney – Gefühlt nicht fremd oder neu, da ich schon oft mal Bilder und Videos gesehen hatte. Auch als der 31. Dezember da war, fühlte es sich für mich irgendwie noch nicht richtig nach einem Jahresende an, eher wie Mitte des Jahres (was auch an den Temperaturen gelegen haben kann, in Deutschland ist es an Neujahr ja immer sehr kalt). Dementsprechend war ich wirklich null in Neujahrsstimmung, aber der Tag war voller Pläne: Vormittags bin ich nochmal schnell los, um spontan ein schönes New-Years-Eve-Dress zu kaufen, und mittags ging es dann direkt zum „Barangaroo-Reserve“ mit Freunden. Für diese Location hatten wir vor circa drei Monaten schon Karten gekauft, da wir hier einen wirklich superschönen Ausblick auf das Wasser und die Harbour Bridge hatten.

Wir hatten schon von einigen mitbekommen, die sich um 5:00 Uhr morgens an die besten Plätze gesetzt hatten und wirklich den ganzen Tag über dort warteten, um auch den allerbesten Ausblick zu haben – crazy. Zum Glück haben wir dank der Karten auch noch eine wunderschönen Platz bekommen, obwohl wir „erst“ um 17:00 Uhr dort ankamen, und uns nun die verbleibenden sieben Stunden irgendwie beschäftigen mussten. Nachdem die Snacks ausgegangen sind (was ziemlich schnell der Fall war), haben wir ein wenig den Platz erkundet, und es gab neben der Live-Musik eine Vielzahl an kleinen Ständen mit allem möglichen, was mich schon ein wenig an den Hamburger Dom erinnert hat 🙂 Wir haben dann einen Stand für Face-Paintings entdeckt, und unser Gesicht mit Steinchen und Glitzer passend für Silvester verschönern lassen.

Das Wetter war an dem Tag sehr sehr warm, fast schon zu warm, deshalb hatte keiner von uns auch nur ansatzweise an einen Pulli oder eine Jacke gedacht. Nach zwei Stunden Warten jedoch wurde es plötzlich so windig und auch kühler, sodass wir dann (wie viele andere) uns die Mülltüten um den Oberkörper gehüllt haben, was ziemlich bescheuert ausgesehen haben muss – aber alles war besser, als kurz vor unserem Eastcoast-Roadtrip eine Erkältung zu kriegen! Mitternacht rückte dann immer näher, und die Zeit schien auch schneller zu vergehen. Ehe wir uns versahen, war es 23:50 Uhr und alle standen auf einmal. In den letzten fünf Minuten des Jahres 2019 fühlte ich auf einmal dieses aufregende Gefühl, und es überkam gleichzeitig auch alle anderen. Zwar sagt man ja, dass dieser Beginn eines neuen Jahres auch keine große VerAEnderung bedeutet, und trocken betrachtet ist es ja auch nur ein simples Datum, dass sich zu einem festgelegten Zeitpunkt um ein paar Zahlen verändert, doch diese Aufregung war nicht abzulegen. Dieses kribbelnde Gefühl, so kurz vor einem neuen Jahrzehnt zu stehen, hat sich ein wenig so angefühlt, als würden wir alle gemeinsam ein neues kleines Zeitalter einläuten, und der Faktor, dass ich Silvester das erste Mal außerhalb von Deutschland am anderen Ende der Welt verbrachte, gab dem Ganzen noch einen zusätzlichen Kick. Als dann runtergezählt wurde, konnte man die Spannung und Vorfreude förmlich greifen, alle zählten mit und zusammen jubelten wir dann ins neue Jahr. Dann fingen auch schon direkt die weltbekannten Feuerwerke an, und bevor ich irgendetwas realisierte, fielen wir uns auch schon in die Arme, um uns ein „Frohes Neues“ zu wünschen.

Was dann wirklich ein wenig befremdlich war, war dass sich die ganzen Leute um uns erst nach dem etwa fünfzehnminütigen Feuerwerk ein frohes neues Jahr wünschten, und vorher alle staunend mit dem Handy in den Himmel starrten, den Arm ganz weit ausgestreckt, um ja auch den besten Kamerawinkel zu erreichen. Zwar haben wir auch sehr viel gefilmt und Bilder gemacht, aber ein wenig komisch fanden wir das dann schon. Das Feuerwerk selbst war wirklich atemberaubend, angesichts der momentan schon längeren Krise mit den landesweiten Buschfeuern vielleicht ein wenig fraglich, aber in dem Moment habe ich gar nicht an dieses Thema denken können, sondern mir eher hinterher mehr Gedanken gemacht. Es explodierten wirklich sekündlich unzählbar viele Feuerwerkskörper, und erhellten den dunklen Nachthimmel in den schillernsten Farben und schönsten Formen. Die ganze Harbourbridge wurde in Gold und Rottöne gehüllt, schien selbst von innen heraus zu explodieren und zu leuchten, und wir bekamen vor Staunen unsere Münder kaum zu. In Deutschland liegt der Fokus unter anderem auch auf den ganzen Silvesterböllern, welche hier aber wirklich ausnahmslos nicht verkauft werden – dafür freut sich jeder auf die bevorstehenden Feuerwerke. Egal wohin man schaute, war der Himmel voller Farben und Licht, und als das ganze Spektakel dann endete, gab es dementsprechend einen ziemlichen Applaus. Dieses Silvesterfeuerwerk ist wirklich etwas, was ich mir in Gedanken behalten werde, einer der Höhepunkte meiner bisherigen Zeit hier in Australien. Zwar weiß ich nicht, ob ich wirklich um die achtzehn, neunzehn Stunden in brütender Hitze dafür ausgeharrt hätte, aber auch so hat es sich mit den Karten wirklich gelohnt. So langsam strömten dann alle Richtung Ausgang, und wir mussten uns an die Hände fassen, um zusammenbleiben zu können. Endlich aus dem gröbsten Menschenstrudel raus, machten wir uns auf den Weg zur nächsten Location, um richtig schön zu feiern: Das Star Casino in Pyrmont, nur zehn Minuten Fußweg von meiner Flat entfernt. Ich war bisher noch nie in einem Casino gewesen, und das hier war wirklich riesig, also ist meine Messlatte für alle kommenden nun ziemlich hoch gesetzt 😀 Es hatte neben unzähligen Automaten und Spielmöglichkeiten auch noch einige Restaurants, und einen Club, wo wir nun drauf zusteuerten.

Es hatte sich bereits eine ziemlich lange Schlange gebildet, und wir stellten uns darauf, länger zu warten, aber das neue Jahr meinte es direkt gut mit uns: Ein Securityguard hat uns an der ganzen Schlange vorbeigewunken, und uns einfach so in den Club gelassen, also mussten wir insgesamt nicht mal fünf Minuten warten!  Der Club war echt relativ gut, und wir hatten ziemlich viel Spaß – das fasst es eigentlich auch ganz gut zusammen 🙂 Wir sind dann irgendwann, so gegen 5:30 Uhr morgens, mit unseren Highheels in der Hand barfuß zurück in mein Appartment, und bei Tageslicht dann eingeschlafen – Ein Silvester mit seinen typischen Hoch- und Tiefpunkten, aber eins, welches ich mir immer in Erinnerung behalten werde: Wer weiß, wann ich wieder ein so schönes Feuerwerk sehen werde!